Wir schützen kleine Wüstenblumen!

Gegen Genitalverstümmelung
Für Frauen- und Kinderrechte

Aufklärungskampagnen

Aufklärungskampagne von CAFGEM in Kinango

 

Die Gesundheit von Frauen hat einen zentralen Stellenwert bei den Bemühungen um eine nachhaltige und den spezifischen Länderbedingungen angepasste Entwicklung. So müssen die Verminderung von Armut (durch Einkommen schaffende Maßnahmen) und dadurch die Aussicht auf Chancengleichheit (Empowerment) das Ziel der gemeinsamen Bemühungen sein. In diesem Kontext ist der Zugang zu Bildung eine unabdingbare Voraussetzung. Das gilt insbesondere für dezentrale Regionen, wo Kampagnen seitens der staatlichen Behörden gar nicht durchgeführt werden und die Existenz von Bildungseinrichtungen trotz immenser Summen von "Entwicklungshilfegeldern" durch die Geberländer meist gänzlich fehlt. So versuchen die Community Based Organisations (CBO) - regionale und lokale Zusammenschlüsse von Interessengruppen - sich selber zu helfen, und dabei wollen wir sie unterstützen. Das gilt insb. für die stark benachteiligten Frauen, um einen wirksamen Kinderschutz einzuleiten. "Our protected girls are promise in future!" sagt Maria Nareku, Mitbegründerin von CAFGEM und Leiterin der Mbuyuni Women Groups. Marie Nareku ist gelernte Agrar-Ökonomin. Sie lebt und arbeitet in der Region Taveta in Kenia. Als Gründungsmitglied von CAFGEM vor 14 Jahren betreut sie seither verschiedene Entwicklungsprojekte, leitet inzwischen einen Kindergarten und eine Schule und engagiert sich aufgrund ihrer eigenen leidvollen Erfahrung durch FGM (Female Genital Mutilation) beharrlich gegen die Ausübung von Genitalverstümmelungen. Dabei hat sie im Blick, dass diese Praktik internationale Verbreitung zur Folge hat und deshalb ihrer Meinung nach auch nur mit internationalen Bemühungen gestoppt werden kann. Sie wird Zeugin, dass Eltern, die im Ausland leben, ihre Töchter häufig zurück in ihre Heimat bringen, um sie dort der schädlichen Praktik zu unterziehen. Diese Unterwanderung ihrer eigenen Bildungsarbeit macht Nareku sehr ärgerlich, wobei sie verwundert feststellt, dass westliche Regierungen kaum etwas tun, um mit ihren gesetzlichen Möglichkeiten diese Mädchen besser zu schützen.

 

Arbeitsmethode von CAFGEM

Nach Ansicht der kenianischen Projekt-Mitarbeiterinnen muss Aufklärung und Bildung den Weg bereiten, die schädliche Gewohnheit von Genitalverstümmelung (FGM) dauerhaft zu überwinden. Bei Aufklärungskampagnen wird der Anspruch von Menschenrechten (Unversehrtheit des Körpers) erklärt, um den Teufelskreis der Unwissenheit zu durchbrechen und so das Selbstbewusstsein der Frauen (Empowerment) zu stärken. Das neue Wissen erleichtert Ihnen den Kampf gegen das körperliche und seelische Leid, welches schädliche Gewohnheiten bewirken. Das betrifft z. B. die extreme Gewalterfahrung von Genitalverstümmelung in der Kindheit und die häufige Zwangsverheiratung als Minderjährige, wodurch Mädchen automatisch von Bildungsprozessen abgekoppelt werden. Hinzu kommt der schmerzliche Vertrauensverlust zu den Eltern, der seelische Narben hinterlässt.

CAFGEM vermittelt in Dörfern biologische und medizinische Grundkenntnisse mithilfe von Print- und Audiomedien und einem weiblichen anatomischen Beckenmodell aus Plastik, das vom Inter African Commité (IAC) für die Aufklärung in dezentralen Regionen entwickelt wurde. Gerade Muslima sind oft überrascht, wenn sie erfahren, dass die Verstümmelung der weiblichen Genitalien kein Gebot ("Sunna") des Islam ist. Es finden sich darüber keine Hinweise im Koran.

Parallel zur dezentralen Aufklärung in Dörfern sollten die harten Lebensbedingungen der Frauen erleichtert werden. Die Frauen beschwerten sich darüber, dass sie durch ihre ökonomische Abhängigkeit bei gesellschaftlichen Entscheidungen (z. B. der Verweigerung von Genitalverstümmelung an ihren Töchtern) kein Mitspracherecht hätten. Nach Beratungen mit verschiedenen Gruppen half CAFGEM deshalb mit Starthilfen für Einkommen schaffende Maßnahmen: Anschaffung von Ziegen, Eseln als Lasttiere, Saatgut, Baumsetzlingen und Nähmaschinen. Einigen begabten Schülerinnen konnten mithilfe von Spenden Stipendien finanziert werden.

Vernetzung durch Dorfkommittés

Nach den Kampagnen sammeln sich kleine Gruppen, die eine soziale Kontrollinstanz in ihren Dörfern bilden und mit CAFGEM vernetzt bleiben. Nach Aussage des CAFGEM-Teams werden von den Menschen der aufgeklärten Gemeinschaften keine FGM mehr durchgeführt, obwohl einige Beschneiderinnen versuchten, die Kampagnen zu hintergehen. Die Reparaturen des alten Projektautos auf Schlaglochpisten macht einen erheblichen Kostenfaktor aus. Schon aus Sicherheitsgründen vor wilden Tieren und aufgrund kilometerweit zu bewältigender Distanzen bei großer Hitze oder Tropenregen auf unbefestigten Sandwegen ist es jedoch unverzichtbar.

Aufklärung ist Bildung! Ohne langjährige Bildungsmaßnahmen wäre es CAFGEM nicht gelungen, medizinische Kontrolluntersuchungen für die genitale Unversehrtheit der Mädchen in den Bildungseinrichtungen von CAFGEM durchzusetzen. Für diese Kombination von Bildungs- und Schutzarbeit erhielt CAFGEM von der staatlichen Behörde den Titel "Role Model" verliehen.

Das CAFGEM-Projekt braucht unsere Unterstützung!

Die Umsetzung und Nachhaltigkeit dieser Aktionen zum konkreten Schutz von Mädchen vor FGM ist nur durch Spenden möglich und wird alleinig durch CAFGEM über TABU e.V. finanziert. Staatliche Unterstützung gibt es bislang nicht. Inzwischen werden 15 ProjektmitarbeiterInnen beschäftigt. Sie leisten die pädagogische Arbeit, die Instandhaltung und Bewachung der Gebäude samt Einrichtungen. CAFGEM ist als kleiner Arbeitgeber in der abgelegenen Region beliebt und respektiert. Die Familien der Angestellten sind durchweg mittellos und können durch diese Arbeit ihre Grundnahrungsmittel kaufen.

Nachhaltige Entwicklung heisst, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Umfeld hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wurde im April 2001 von der Bundesregierung berufen. Er entwickelt Beiträge für die Nachhaltigkeitsstrategie und -politik der Bundesregierung, benennt konkrete Handlungsfelder und Projekte und macht Nachhaltigkeit zu einem öffentlichen Anliegen.

 

 

Dr. Hans Geisler, Staatsminister a.D., Mitglied im Nachhaltigkeitsrat

 

TABU e.V. wurde 2009 vom Nachhaltigkeitsrat ausgewählt zur Beteiligung am Event von Mission Sustainability in Berlin.

 

Die Stadt Dortmund würdigt das Ehrenamt:

TABU e.V. ist seit mehreren Jahren im Besitz des Agenda21-Siegels und gewann 2011 den Wettbewerb. Herzlichen Dank an die MitarbeiterIn des Agenda-Büros, OB Ulrich Sierau (re.) und die Jury-Mitglieder!

CAFGEM-Aktivistinnen: Farhia Abdikadir und Marie Nareku in Kasigao

Marie Nareku bei der Aufklärung mit einem weiblichen Beckenmodell des Inter African Committé / IAC in Musmarini

 

CAFGEM-Aufklärung in Maungu

 

Aufklärung auf dem Schulhof der CAFGEM-Schule mit Dorfältesten und religiösen Oberhäuptern.

 

Aufklärungsseminar in Mwasemi

 

Jährliche Spendenabrechnung im CAFGEM-Office durch TABU e.V.

 

Video, Fotos und Texte: copyright TABU e.V.

Video

Videoconny

Conny Mwashuma, CAFGEM,
zur Relevanz der Terminologie bei Aufklärungskampagnen